Dienstag, 7. April 2015

Verschärfung der Vergewaltigungsparagraphen: Wen man nicht ignorieren kann

Fefe ist eine Größe in der linken Blogosphäre; ich lese ihn auch gerne, da er es versteht, die Verlogenheit des neoliberalen Systems mit seinen ganzen Verstrickungen wunderbar auf den Punkt zu bringen. Fefe ist allerdings kein Maskulist, aber auch nicht - und hier geht's los - ein Feminist. Geschlechterthemen werden bei ihm selten behandelt - bis vor kurzem.

Jetzt aber hat er sich zur geplanten Verschärfung des Vergewaltigungsparagraphen geäußert, und zeigte sich wenig begeistert:
Müssen wir jetzt ernsthaft innerhalb unserer Gesellschaft die Ermächtigung vergeben, auf Zuruf Menschen das Leben zu vernichten und sie ins Gefängnis zu werfen? Man stelle sich das mal in einer andere Konstellation vor statt Männer und Frauen.[...] Aus meiner Sicht sollte niemand so viel Macht haben in einer Gesellschaft.

 womit er anscheinend einen kleinen Shitstorm losgetreten hatte. So sah er sich dazu genötigt gleich mehrere Beiträge zum Thema zu veröffentlichen, und dabei seine Meinung zu verteidigen. Dabei zeigt sich, dass er sich mit keiner Partei gemein macht, sondern sowohl Maskulisten als auch Feministen für potentiell bekloppt hält, allerdings:
Was mir übrigens auffällt in der Diskussion bisher: von allen Zuschriften, die sich für den Neuvorschlag von 177 StGB geäußert haben, hat nicht eine versucht, meine Befürchtungen auszuräumen. Alle haben "aber die armen Frauen" argumentiert.
Die Befürchtung ist, dass er unschuldig auf Ansage einer Frau hin in den Knast gehen könnte und seine soziale Existenz vernichtet würde: denn, wie zum Teufel soll man auch beweisen, dass man eine Frau (und nur diese) nicht "überrumpelt" hat, wenn diese angibt, sich "überrumpelt" gefühlt zu haben?!

Das Problem ist jetzt, dass Fefe eine Größe ist, und man ihn auch weiterhin nicht als verirrten Männerrechtler abtun kann, womit die sonst übliche Filter-Bubble-Strategie vielleicht nicht aufgeht.

So meldet sich die Feministin Sanczny zu Wort, die wir bereits als Großmeisterin der Empathie kennenlernen durften, und klagt gleich als Erstes in der von Fefe kritisierten Weise an:
Vier Zeilen, um seine völlige Empathielosigkeit zu zeigen. [gegenüber Vergewaltigungsopfern, Anm. yx]
 um dann sogleich mit viel Empathie über Falschbeschuldigte früh versterbende Trennungsväter fortzufahren:
Anschließend driftet er ohne Zurückhaltung in Maskulismus-Tropes ab:
Haben die Männer wirklich noch nicht genug die Arschkarte gezogen in unserer Gesellschaft? Reicht es nicht, dass Männer früher sterben, sich vorher totarbeiten, und bei Scheidungen die Kinder weggenommen kriegen? […]
 Sanczny weiß sehr genau, wer Empathie verdient, und wer nicht; entsorgte Väter gehören jedenfalls nicht dazu - und wer Empathie mit eben jener Gruppe übt, der bedient gleich einen Maskulismus, und wer das tut, kann nicht ganz richtig im Kopf sein, versteht es nicht, oder fürchtet um seine Privilegien, auf jeden Fall aber: Jammert.

Das zentrale Anliegen Einen Punkt kann Sanczny in ihrem Traktat leider nicht ausräumen: Nämlich die Befürchtung, dass man auf das verleumderische Wort einer Frau hin sozial vernichtet wird. Das bedeutet nicht, dass man nicht dafür ist, dass Vergewaltigerinnen (generisches Femininum) bestraft werden - nur nicht um den Preis, dass sich der Staat ins Sexualleben einmischt (Zwang zum Konsens-Prinzip) zum einen, und Auflösung der Unschuldsvermutung, die ein Rotz weißer mächtiger Männer eine Säule des Rechtsstaats ist zum anderem.

Kommentare:

  1. Ich kommentier jetzt dazu generell mal hier, da ich auf dem Blog von fefe irgendwie nicht die Möglichkeit sehe.

    So wie Maas in dem von Fefe verlinkten Artikel zitiert wird, sind meiner Meinung nach die Befürchtungen ziemlich unrealistisch an den Haaren hergezogen.

    Eine Vergewaltigung bei der das Opfer aus Angst sich nicht wehrt, könnte es zum Beispiel sein, wenn die Frau nein sagt und der Mann einfach darüber hinweggeht. Sie hat Angst, ist in Schockstarre, er braucht also keine Gewalt mehr, um zu tun, was er will. Er sollte sich aber dennoch klar darüber sein, was er tut, denn ein "Nein " Sollte ausreichen!

    Nirgendwo steht jetzt, dass vor Gericht nicht mehr bewiesen werden muss, dass dem Mann klar war, dass sie das nicht wollte. Es geht eben nur darum, dass nicht mehr zwingend Gewalt nötig ist für den Tatbestand, da sie das faktisch nicht immer ist.

    So und ich habe jetzt nicht nur jemand als misygones Arschloch betitelt, sondern Befürchtungen und Argumente entkräftet!
    Bevor man so durchdreht, sollte man lieber mal auf den neuen Gesetztestext warten.

    Viele Grüße,
    Miria

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    1. Es geht eben nur darum, dass nicht mehr zwingend Gewalt nötig ist für den Tatbestand, da sie das faktisch nicht immer ist.

      Und genau ist das Problem. Damit kommt "Überreden" oder "Überrumpeln" in den strafbaren Bereich. Was soll das eigentlich heißen: "Überrumpeln"? Das ist doch de facto immer gegeben, wenn ich nicht vorher anfrage, ob ich sie küssen darf, sondern nonverbal die Initiative übernehme - so wie die meisten.

      Sorry, aber eine VerGEWALTigung ohne Gewalteinsatz oder Androhung öffnet Falschbeschuldigerinnen Tür und Tor.

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    2. Nachtrag: Im Übrigen halte ich diese Ausweitung des Vergewaltigungs-begriffs für einen Schlag ins Gesicht von echten Opfern, die sich eben nicht durch ein energisches "Nein!" der Situation hätten entziehen können.

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